Die Frage nach dem Ursprung des Bösen
Wissenschaftliche Tagung aus Anlass „20 Jahre Forschungsinstitut für Philosophie" am 11. Oktober 2008 in Hildesheim
Die Frage nach dem Bösen und besonders nach seinem Ursprung gehört zu den bedrängendsten Fragen des menschlichen Denkens. Dies gilt gerade auch für die Theologie. Denn wenn Gott ist und wenn er wirklich gut ist, wie kann es dann das Böse überhaupt geben? Dies ist immer auch eine Frage an Gottes Allmacht. Deshalb ist auch die Frage nach dem Bösen, besonders in der Neuzeit, zu einem Problem der „Rechtfertigung" Gottes angesichts des Bösen geworden. Es bleibt die Frage, ob dies eine ausreichende Problemstellung ist. Aber die Frage kommt immer wieder: Warum, woher, wozu das Böse? Warum gerade ich? Wie vertragen sich das Übel und das Böse mit Gerechtigkeit und gar Liebe? Und immer wieder die Frage: Wo bleibt Gott? Wir müssen noch früher ansetzen, wenn freilich noch einige Vorbemerkungen nötig sind.
I. Zum Bedeutungsspektrum des Bösen
Ein gewisses Zögern, der Frage nach dem Ursprung des Bösen nachzugehen, überkommt einem schon, wenn man sich dem Wortfeld „das Böse" zuwendet. Es fällt zunächst auf, dass nicht wenige Lexika, wo man das Stichwort vermutet, darüber hinweggehen. Man findet dann „Bosheit" und stößt vielleicht auch zum lateinischen Begriff „malum" vor. Dies hat ganz gewiss seine Gründe bereits im Sprachgebrauch. Im Wort „das Böse" versammeln sich nämlich viele Bedeutungsnuancen: das Übel, das Schlechte, das Schlimme, das Schreckliche, das Unvollkommene, das Mangelhafte, das Defekte, das Defizitäre, das Inferiore, das Unordentliche, das Dysfunktionale, das Widrige, das Kranke, das Fatale, das Ruchlose, die Nähe zu Sünde und zu Schuld, das Verkehrte, das Irrige, das Lasterhafte, die Entfremdung, das Leid, das Nichtige und das Negative. Diese Bedeutungen überschneiden sich auch, so dass sich eine ziemliche Symbiose und Interdependenz der Bedeutungsmomente ergibt.[1] Dies verleitet auch wiederum dazu, den Sinnbereich „das Böse" zu umgehen oder von vornherein auf eine bestimmte Bedeutung festzulegen.[2]
Diese große Unbestimmtheit erhöht auch leicht den Verdacht, ein Thema wie „Ursprung des Bösen" verliere sich leicht in einer höchst fragwürdigen Spekulation. Durch die erdrückende, sichtbare und oft auch zerstörerisch-tödliche Macht des Bösen, besonders im 20. Jahrhundert, steht die Konkretion des Bösen sehr stark im Vordergrund. In diesem Zusammenhang hat das von H. Arendt geprägte Stichwort von der „Banalität des Bösen" eine große Verbreitung gefunden. Den Ausgang nimmt dieser Begriff bei ihren Berichten vom Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem zu Beginn der 60er Jahre.[3] Mit der „Banalität des Bösen", vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert, ist die erschreckende Normalität des Bösen gemeint, die einerseits von mancher Seite im Blick auf den Holocaust wie ein einmaliges monströses „Ungeheuer" gezeichnet wurde und auf der anderen Seite eben in den Köpfen vieler damals zu finden war. „Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, dass er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind."[4] Es versteht sich von selbst, dass damit keine Banalisierung des Massenmordes gemeint sein konnte.
Es ist mehr als verständlich, dass das Verständnis des Bösen in unserer Zeit, nicht zuletzt bei jüdischen Denkern, sich ganz auf den Holocaust konzentrierte.[5] Es ist auch begreiflich, dass manche Abhandlungen in der Analyse gerade hier einen Schwerpunkt sehen.[6] Zugleich gibt es eine Erweiterung der Sichtweisen und Perspektiven, indem z.B., nicht zuletzt durch die Phänomenologie ermöglicht, die Metaphern und die Symbolik des Bösen stärker beachtet werden.[7]
Dies ist insgesamt gewiss im Einzelnen ein Gewinn und warnt auch vor einer voreiligen und unkritischen Überschätzung des spekulativen Suchens nach dem Ursprung des Bösen. Es ist darum auch ein Gewinn, wenn I. U. Dalferth das Böse als eine Kurzformel für eine Denkform versteht, mit der das Sinnwidrige schlechthin und das Unbegreifliche zu denken versucht wird. Es kann dann im Anschluss an die philosophische und theologische Tradition hilfreich sein, den Kontrast „Gut und Böse" zur weiteren Analyse heranzuziehen, wie es I. U. Dalferth[8] und A. Pieper[9] versuchen. Eine ausschließliche oder zu exklusive Konzentration auf den Nationalsozialismus kann jedoch den Blick zur Erfassung des ganzen Phänomens des Bösen auch einschränken.[10] Insofern möchte ich eine etwas weiter zurückgreifende Annäherung an das Verständnis des Bösen versuchen, die bewusst auch stärker Einsichten und Perspektiven der philosophischen und theologischen Tradition aufgreift.
II. Die Frage nach einem Zugang zum Bösen
Gerade wenn man um die Vieldeutigkeit des Bösen weiß, mag es gut sein, mit einigen Unterscheidungen zu beginnen, die uns die Annäherung an dieses fast undurchdringliche Geheimnis des Bösen etwas erleichtert.
Seit Leibniz[11] unterscheidet man grundlegend verschiedene Formen des Übels. Das metaphysische Übel besagt eine Unvollkommenheit, wie sie der geschöpflichen Begrenztheit eines bestimmten Wesens zu Eigen ist. Ein Stein gehört zu einer Seinsstufe, auf der kein Sehen möglich ist. Das physische Übel bedeutet das Fehlen einer Eigenschaft, auf die ein konkretes Wesen von Natur aus angelegt und ohne die es in seiner vollen Wirklichkeit behindert ist. Dies ist der Fall bei der Blindheit eines Menschen. Demgegenüber besteht das ethisch-moralische Übel in einer freien Willensentscheidung gegen das im Gewissen gewusste Gebot oder Verbot. Es ist dann voll gegeben, wenn es der freien Verantwortung entspringt und also schuldhaft ist. Das Böse im eindeutig moralischen Sinn ist - um im Bereich unserer Beispiele zu bleiben - dann gegeben, wenn ohne Grund und in voller Absicht das Augenlicht zerstört wird. Das Böse im vollen Sinne existiert also in dieser Sicht nur, wo Freiheit und damit Zurechnung und Verantwortung wirksam sind. Wenn wir künftig vom Bösen sprechen, dann zielen wir vor allem auf diese ethisch-moralische Größe. Hier vollzieht sich auch wirklich das Drama der Freiheit.[12]
In theologischer Hinsicht gibt es daneben freilich auch das Übel, das Leiden der Kreatur und das durch keinen Menschen verschuldete Übel, das Leiden, das durch Seuchen, unheilbare Krankheiten, durch Naturkatastrophen wie Erdbeben und Flutkatastrophen hervorgerufen wird. Nicht umsonst wurde der Optimismus der Aufklärung durch das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 plötzlich tief erschüttert. Reicht der Verweis auf die Endlichkeit der Welt aus, um solche Erfahrungen aufzuklären? Wie steht es um die Entstehung von Krebszellen, die brutal menschliches Leben zerstören? Kinder sind dem Leiden distanzlos ausgeliefert und können sich nicht protestierend oder sinngebend dazu verhalten. Das Leiden der Kinder fordert in besonderer Weise Widerspruch heraus. Man braucht nur Dostojewski zu lesen oder auch den Protest von Albert Camus zur Kenntnis zu nehmen: „Und ich werde mich bis in den Tod hinein weigern, die Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden."[13] Diese Erfahrungen unverschuldeten und ungerechten Leidens sind wohl das stärkste Argument gegen den Gottesglauben. Sie sind vielleicht mächtiger als alle philosophischen und religionskritischen Argumente. Man hat sie als den „Felsen des Atheismus" (G. Büchner) bezeichnet. Über die Jahrhunderte hinweg wird aus dieser Erfahrung auch ein Argument geschmiedet, das bei A. Camus folgendermaßen lautet: „Entweder sind wir nicht frei und der allmächtige Gott ist für das Böse verantwortlich. Oder wir sind frei und verantwortlich, aber Gott ist nicht allmächtig. Alle scholastischen Spitzfindigkeiten haben der Schärfe dieses Paradoxons nichts hinzugefügt und nichts genommen."[14] Ich kann hier freilich nicht dem überaus umfangreichen und differenzierten Theodizee-Thema nachgehen.
Kein Wunder, dass der Mensch sich damit nicht zufrieden gibt. Er fragt nach dem Grund des Bösen. Wir haben für bestimmte Erscheinungsweisen des Bösen und für einzelne böse Handlungen eine „Erklärung": ererbte Verhaltensweisen, Destruktivität, Aggression, Frustration, Sachgesetzlichkeiten, repressive Strukturen. Zweifellos bestimmen sie die Freiheit der handelnden Personen mit und legen ob ihres Gewichtes nicht selten die Überzeugung nahe, es gäbe keine wirkliche freie Entscheidung. Bestimmte Begleitumstände der bösen Tat lassen sich damit begreiflich machen, aber nicht das Böse selbst. Freilich bleibt eine Spannung bestehen zwischen der relativen Freiheit des Individuums und einer gewissen Determination zum Bösen, welche den Einzelnen übersteigt und gelegentlich überwältigt. Wiederholt böse Handlungen können eine Dauerneigung ausbilden und den Willen in eine solche negative, zerstörerische Grundhaltung einüben, dass man fast von einem „inneren Zwang zum Bösen" sprechen kann. Auch hier gibt es eine überwältigende Literatur, die von der Verhaltensforschung und die Soziobiologie bis zur Hinforschung reicht.
Je mehr man das Böse in seinem Ursprung und die Freiheit zusammendenkt, um so rätselhafter erscheint es. Wer etwas deuten möchte, sucht nach einer inneren Erhellung, die ein bestimmtes Verhalten auch verstehbar macht, evtl. sogar rechtfertigt. Wer einen unumstößlichen Grund für eine böse Tat sucht, kommt leicht zu Ausreden oder gibt Scheinantworten. Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass das Böse sich gerne in seinem eigenen Ursprung verbirgt, sondern dass es einer wirklichen und dauerhaften rechtfertigenden Begründung nicht standhält. Geht man wirklich dem Ursprung des Bösen nach, so entzieht sich der letzte Grund einer bösen Tat uns selbst. Das menschliche Selbst erscheint als ein vieldimensionaler Abgrund, in dem das Innen und das Außen, das Eigene und das Fremde viel weniger zu trennen sind, als wir durchschnittlich annehmen. Das Böse wird „irrationaler". Je mehr wir ihm einen „Sinn" geben wollen, um so unbegreiflicher wird es. Es kann aber auch sein, dass endlose Erklärungsversuche das Böse banalisieren. Man kann es auch in seiner Ungeheuerlichkeit neutralisieren, wenn man es in eine äußerste unbeteiligte Distanz zu sich bringt. Die Neugierde der objektivierenden Reflexion kommt beim Bösen bald an eine Grenze, wo das Leiden des Opfers frevelhaft entschärft wird und der Schrecken des Bösen verloren geht. Kant hat in diesem Falle die Frage gestellt, ob in einem solchen Zusammenhang die Verteidigung nicht ärger werden kann als die Anklage.[15] Andere meinten gelegentlich, die einzige wirkliche Entschuldigung für Gott sei, dass er nicht existiert.
Das Böse ist darum für das Denken ein abgrundtiefes Rätsel. Es lädt immer wieder die Reflexion nach dem Woher und Wohin ein. „Unde malum" fragt Augustinus immer wieder. Das Böse bedeutet durch seine eigene Unverständlichkeit die schärfste Herausforderung an das Denken. Das Verstehen wird bei jeder Annäherung zurückgeworfen oder zum Komplizen. Verstehen nämlich tendiert auf Einverständnis. Von der Gnosis an besteht aber auch die Versuchung, dieses Rätsel des Bösen durch seine zwanghafte Logisierung in Erkenntnis (oder auf Täuschung und Irrtum als einen Mangel an Erkenntnis) aufzulösen. Noch Hegel zeugt von dieser Versuchung des reflektierenden Geistes. Erst recht kann diese entschiedene Provokation des Denkens, das die Undurchdringlichkeit des Bösen darstellt, den Menschen nicht nur zum platten „Erklären", sondern auch zum redseligen Faseln verleiten. Eine erste Forderung aller Rede über das Böse muss darum die Aufforderung sein, sich dieser abgrundtiefen Rätselhaftigkeit des Bösen bewusst zu bleiben. Die klassische Philosophie und Theologie von Augustinus bis in das Spätmittelalter weiß sehr genau, dass in der Negativität des Bösen Dunkel und Schweigen herrschen: Die Freiheit als Ursprung ist nicht nur letzter Grund, sondern eher nicht mehr vollständig aufzulichtender Abgrund.[16]
III. Grundrichtungen einer Antwort
Mit der Berufung auf die geschichtliche Mächtigkeit des Bösen und seinen Ursprung in der Freiheit ist es jedoch nicht getan. Vielmehr muss gefragt werden, welche Freiheit gemeint ist und vor allem wie die „Realität" und Wirksamkeit des Bösen näherhin zu verstehen ist. Gerade weil der Mensch das Böse immer schon bei sich und in der Welt vorfindet, muss die Macht des Bösen im Zusammenhang einer Deutung der Gesamtwirklichkeit gefunden werden. Wie soll das Verhängnisvolle, Zwiespältige und Unheimliche des Bösen in der Welt verstanden werden, das über eine einzelne böse Handlung und auch über die Summe einzelner böser Taten hinausreicht? Welcher Art von Wirklichkeit ist das Böse? Ist das begrenzte, endliche Sein in sich gut und böse, zwiespältig oder neigt es im Ganzen zum Bösen hin? Man sieht leicht, dass diese Fragen am Ende nur beantwortet werden können durch eine Erörterung des Sinnes von Sein überhaupt.
Der menschliche Vorrat an großen Auslegungsentwürfen für eine Antwort nach dem Stellenwert des Bösen im Ganzen der Wirklichkeit ist offenbar begrenzt. Das Potenzial der Lösungsmöglichkeiten ist, wie die Problemgeschichte des Bösen aufzeigt, nicht beliebig zu erweitern, so dass sich im Grunde - Mischformen und Varianten innerhalb der einzelnen Typen zugestanden - vor allem drei grundlegende Schemata ergeben[17]:
- 1. Dualistische Konzeption: Das Böse ist von Uranfang an ein mit Gott gleichursprüngliches, freilich nicht unbedingt gleichrangiges, aber jedenfalls unabhängiges Prinzip, das für die unterschiedlichen Zustände im Bereich des Bösen im weitesten Sinne verantwortlich gemacht wird. Die Weltgeschichte und die Wirklichkeit überhaupt ist ein beständiger Streit zweier göttlicher oder gottähnlicher Mächte um die Herrschaft.
Ein solcher Dualismus kann auch mehr ethisch orientiert sein. Er kann aber auch verschiedene Seinsbereiche (geistig-seelisch-leiblich, ewig materiell-vergänglich, Sein-Schein) voneinander grundsätzlich trennen und so die Gesamtwirklichkeit in völlig heterogene Blöcke zerspalten. Durch den „Gegengott" wird die Einheit der Wirklichkeit gesprengt. Vor allem die Gnosis hat das Böse und die Materie in einem ganz grundlegenden Sinne identifiziert. Andere dualistische Konzeptionen, wie zum Beispiel das iranisch-zoroastrische Denken, betonen die religiös-moralische Grundeinstellung. Manchmal sind es zwei widerstreitende Urprinzipien, die als Spannung und Spaltung in die Gottheit selbst hineingetragen werden.
Durch das biblisch-christliche Gottesverständnis ist eine solche Dualitätskonzeption freilich unzulässig, da Gott der eine Schöpfer der Gesamtwirklichkeit und der eine Herr der Geschichte ist. Es gibt keine von Gott unabhängige oder ihm entgegengesetzte Macht. Alles, was nicht Gott selbst ist, stammt radikal von ihm her und ist auf ihn bezogen. Gottes Schöpfung kann deshalb nur als gut begriffen werden - unabhängig davon, was der Mensch aus ihr macht.
Dualistische Konzeptionen treten heute seltener in einer massiven Form auf. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die abgrundtiefe Macht des Bösen den Menschen immer wieder in Richtung einer dualistischen Antwort verführt, ganz abgesehen von späteren Nachwirkungen der Gnosis in ganz verschiedenen Formen der Weltfeindlichkeit (Manichäismus, Bogomilen, Katharer). Es gibt aber auch bei großen und eindrucksvollen Denkern, wie J. Böhme und dem späten F. W. J. Schelling, Tendenzen in dieser Richtung. Der Dualismus wird nicht selten als System abgelehnt, aber doch in einzelnen Strukturelementen für eine Antwort nach dem Bösen aufgegriffen. Dies wird auch strecken- und spurenweise bei heutigen Theologen erkennbar.[18]
Solche mindestens zwiespältigen Aussagen sind m.E. gegen die dualistische Konzeption nicht genügend gefeit.
- 2. Formen einer monistischen Erklärung: Der eine Urgrund der Welt ist auch der verantwortliche Ursprung des Bösen. Die Schöpfung hat gegenüber dem Schöpfer in ihrer Seinsweise keine Eigenständigkeit. In irgendeiner Weise muss also das Böse auf Gott selbst zurückgeführt werden. Wo dies ausdrücklich geschieht, wird Gottes Sein dämonisiert. Dies ist heute natürlich seltener geworden. Freilich gibt es im Bereich des Satanismus und der Satanskulte durchaus solche Ideen.
Es gibt freilich auch subtile Formen eines solchen Monismus. Gelegentlich werden auch in der Schrift Aussagen sichtbar, die in Abwehr des Dualismus beinahe monistisch wirken. Man vergleiche zum Beispiel: „Der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der das Heil wirkt und das Unheil schafft, ich bin Jahwe, der alles dies wirkt" (Jes 45,7). Monistische Züge werden auch deutlich, wenn Karl Barth von einer notwendigen Begleitung der Herrlichkeit Gottes durch einen Schatten spricht, sodass Gott das Böse „mitwill".[19] Dies ist eine ungewöhnlich faszinierende Interpretation, dass in Gott selbst ein solcher Schatten ist, der vielleicht auch am Ende der Weltgeschichte verschwindet. Das Böse ist zwar das Nichtige, aber dieses ist nicht ohne Gottes Wollen selbstständig neben Gott.[20]
Auch eine andere Variante der monistischen Deutung kann bestechen, wenn nämlich Gott wenigstens so das Böse will, dass es seinen Zielen dient. Die faktische Realität des Bösen tangiert zum Beispiel zwar momentan die harmonische Ordnung der Schöpfung, aber am Ende sorgt das Böse für eine gesteigerte Differenzierung und für eine erhöhte Harmonie der Welt. Die traditionelle Antwort auf die Frage nach dem Stellenwert des Bösen kann diese Gefahr nicht immer vermeiden.
Eine noch subtilere Spielart einer solchen Erklärung ist durch den modernen Evolutionismus denkbar geworden, der sich mit dem eben besprochenen Ansatz verbindet. So glaubt H. Haag[21], die folgende Überlegung Teilhard de Chardins sei „aller Beachtung wert": „Was ist aber die unvermeidliche Kehrseite jedes in einem Prozess dieser Art erzielten Erfolges, wenn nicht, dass er mit einem gewissen Anteil von Abfällen bezahlt werden muss? Disharmonie oder physischer Zerfall im Vor-Lebendigen, Leiden beim Lebendigen, Sünde im Bereich der Freiheit: keine in Bildung begriffene Ordnung, die nicht auf allen Stufen folgerichtig Unordnung einschließt ... Wenn (wie man, glaube ich, unvermeidlich einräumen muss) es für Gott, von unserer Vernunft her gesehen, nur eine mögliche Weise des Schaffens gibt ‑ nämlich evolutiv, über den Weg der Einsmachung ‑, ist das Übel ein unvermeidliches Nebenprodukt, erscheint es als eine von der Schöpfung nicht zu trennende Qual." Ähnlich spricht Teilhard de Chardin auch von „einer Menschheit, die mit statistischer Notwendigkeit von Sünde durchtränkt ist".[22]
Im Grunde ist dies ein außerordentlich verführerischer Gedanke.[23] Man scheint das Böse in einer optimistischen Weltschau auflösen zu können. So gibt es z.B. für den Philosophen Spinoza kein Übel, da alles Endliche notwendige Modifikation der einen göttlichen Substanz ist. Immer wieder taucht dieser Gedanke bis zu Hegel auf, der der Überzeugung ist, am Ende werde das Böse eben nicht bleiben. Auch in manchen christlichen Vorstellungen wird das Böse so in eine Konzeption von Vorsehung eingebaut, dass sich das Böse am Ende eben doch in einer neu geordneten Harmonie der Welt positiv auflöst. Solche Konzeptionen, die manchmal auch der Anschauung von der „Allversöhnung"[24] zu Grunde liegen, stehen in Widerspruch zur grundsätzlichen Unvereinbarkeit des Bösen mit dem Guten. Es gibt hier eine unversöhnliche Widrigkeit des Bösen, die man nicht ästhetisch oder irgendwie metaphysisch herunterspielen kann. Das Böse bleibt das Böse, Unrecht bleibt Unrecht. Diese bestechende Idee ist immer wieder eine gefährliche Verflüchtigung des bleibenden Schreckens des Bösen, gerade wenn dies immer wieder banaler wird.
Dies sind nur Splitter und Anflüge monistischer Konzeptionen. Es ist auch deutlich geworden, wie solche Fragmente in differenzierteren Systemen sich durchaus mit dualistischen Momenten verbinden können, indem sie zum Beispiel ein polares Wechselspiel unterschiedlicher Rangordnung darstellen. In der Kabbala, der jüdischen Mystik, wird das Böse[25] zu einem Element in Gott selber, das sich der Schöpfung versagt („Selbstverschränkung Gottes in sein eigenes Wesen"). Gleichsam unterirdische Bezüge solcher Auffassungen zu F. Ch. Oetinger (1702-1782), J. Böhme (1575-1624) und besonders zu F. W. J. Schellings berühmter Schrift „Das Wesen der menschlichen Freiheit" (1809) und erst recht zur Spätphilosophie liegen auf der Hand.[26]
Eine grobe monistische Antwort würde nicht nur der Helligkeit Gottes und der Heilsbotschaft des Alten und Neuen Bundes widersprechen, sondern es droht auch die Gefahr, dass das Widersinnige und die Negativität des Bösen bagatellisiert werden und es zugleich als notwendig behauptet wird. Am Ende erscheint es dann überhaupt nur als eine Täuschung. Damit wird man aber der „Eigenwirklichkeit" des Bösen als Phänomen und vor allem auch der moralischen Forderung nach seiner Abwehr nicht gerecht.
- 3. Ursprung aus freier Entscheidung des endlichen Geistes: Die Tradition kennt ein drittes Grundmodell, das wir schon eingangs besprochen haben. Es betrifft nicht das „metaphysische Übel" (ein letztlich höchst problematischer Begriff!) und das „physische Übel", sondern „nur" das ethisch-moralische Übel, welches in einer Entscheidung des freien Willens gegen das sittlich Gute besteht. Dabei muss noch nicht entschieden werden, ob dieser personal freie Geist ausschließlich im Menschen zu suchen ist.
Diese Antwort schließt zwei wichtige Grundelemente in sich. Die entscheidende Bestimmung des Bösen liegt darin, dass es in einer willentlichen Abwendung freier Wesen vom Guten besteht. Damit wird die Qualität der guten Schöpfung gerettet, außerdem der gute Gott gerechtfertigt. Es fällt kein Schatten auf die Schöpfung in der Absicht Gottes. Das geschöpfliche Wesen ist zwar mit dem Nichts vermischt, aber dies besagt keine grundlegende Beeinträchtigung seiner seinsmäßigen Positivität, zumal die Bezogenheit auf Gott keine Minderung, sondern eine Auszeichnung darstellt. Die Möglichkeit der Unordnung und Abweichung von dieser Bestimmtheit liegt nach der Tradition in der Gegebenheit und Situation der Kreatur, aber es gibt keine irgendwie geartete Notwendigkeit für ein Scheitern. Es gibt außer der Kontingenz keinen Grund für das Böse: „Was fehlbar ist, weist gelegentlich Fehler auf."[27] Die Gewinnung eines Verständnisses des Bösen wird dadurch nicht leichter, denn neben der Grundlosigkeit des Willens lässt sich auch keine unmittelbare inhaltliche Bestimmung des Bösen angeben, das aus diesem Willen hervorgebracht wird.[28]
Diese ethische Definition des Bösen vom endlichen personalen Geist her verlangt aber von sich aus nach einer Antwort, wie denn nun die „Realität" des Bösen im Ganzen der Wirklichkeit zu verstehen sei. Diese Frage wird um so dringlicher, je mehr Dualismus und Monismus ‑ auch in differenzierteren Formen ‑ als Lösungsmodelle ausscheiden müssen. Die grundsätzliche Antwort der philosophischen und theologischen ist bekannt: Das Böse ist eine Verneinung, ein Mangel und eine Verderbnis des Guten. Es hat keinen eigenen ontologischen Status im Sinne eines substanziellen Seins. Das Böse ist wie ein Parasit am Guten. Im Blick auf sich selbst ist es absurd. Da alles, was ist, gut ist, insofern es ist, ist das Böse in sich widersprüchlich. Es ist die Negation des Guten, von dem es lebt. Die willentliche Abwendung freier Wesen vom Guten ist im Grunde eine selbstzerstörerische Tat.
Diese Konzeption stößt ihrerseits auf Schwierigkeiten, so genial sie im Grundansatz auch ist. Vor allem hat sich faktisch in diese Antwort immer wieder auch ein Restbestand dualistischen Denkens eingeschlichen (z.B. Fleisch/Sinnlichkeit ‑ Geist). Die Ablösung von Gott als dem Grund des Guten bringt den Menschen in einen letzten Selbstwiderspruch. Im Bösen vollzieht der Mensch sein Wesen und gibt sich zugleich auf. Das Böse ist die Urform des Widerspruchs und damit letztlich auch einer Art von Selbstmord. Im Wollen des Bösen möchte der Mensch die Differenz zwischen seinem endlichen Wesen und der absoluten Erfüllung in einem anderen auflösen und diesen „Widerspruch" in ihm allein klären. Er möchte sich am Ende selbst radikal von sich aus bestimmen.[29]
IV. Das Böse am Bösen
Das Böse steigert sich nochmals in seiner Selbstzerstörung. Und dies gibt zugleich einen Hinweis auf die nähere Deutung des Bösen als eines „Mangels" an Gutem (privatio boni). Die klassische Auslegung des Bösen von Augustinus[30] bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein konnte nämlich diese „Schwäche des Willens" nicht ausreichend verständlich machen. Thomas von Aquin freilich ist damit nicht angemessen gedeutet.[31] Das Böse ist für ihn eine Beraubung dessen, was die Wesen haben müssen, wenn sie das sein wollen, was sie sind. Das Böse ist eine aktive Wesensverletzung, welche das Gute erstickt und das Streben nach dem Guten erlöschen möchte. Das Böse ist mehr als das abstrakt „Negative", weil das bloße Nichtsein noch nicht das Heillose des Bösen kennzeichnet. Die Verkehrung des Bösen und seine grimmige Zerstörungskraft können von hier aus in den Blick kommen. Zugleich wird deutlich, dass damit auch die klassische Antwort in eine gewisse Nähe zu Schellings Überlegungen kommt, ohne dass Gott mit dem Schatten des Bösen verwachsen sein muss.
Von da aus ist es auch verständlich, warum man hier in der heutigen Philosophie und Theologie noch weiter denkt. Dabei knüpft man durchaus auch an klassische Überlegungen an.[32] Ähnlich wie man den Mangel an Gutem nicht nur negativ als Fehlen betrachtet, sondern darin auch eine Stellungnahme des Menschen sieht, eben die Verweigerung der Geschöpflichkeit und der Existenz von Gottes Gnade, den Willen, sein zu wollen wie Gott (vgl. Gen 3,5), so erhält das durch die Negation Gottes pervertierte Geschöpf auch etwas Nichtiges.
Es ist deutlich geworden, dass dem Privatio-Denken in der Tat eine Dimension hinzugefügt werden muss, die im Grunde schon in ihm verborgen anwesend ist, aber aus verschiedenen Gründen heute weniger bemerkt wird. Die Bestimmung der „privatio omi" darf nicht den Eindruck eines unbewegt, leeren und abstrakten Negativen bedeuten. Es ist eine prinzipielle Verweigerung und eine unbedingte Destruktion. Gewiss ist es auch ein Raub und ein Mangel, aber dies muss als Aggression und als regelrechte Zerstörungswut verstanden werden. Vermutlich kann man diesen Gedanken nur ganz fassen und begründen, wenn man diese Verweigerung dem Schöpfer-Gott antut. Dann ist nämlich diese Verweigerung, die sich auch noch den Anschein des Guten gibt, wirklich eine Form des Unglaubens. Hier lässt sich auch eine Brücke zu M. Luther schlagen, der den Unglauben als Wurzel der Sünde und des Bösen betrachtete.[33]
Hier kann man durchaus an Schellings Freiheitsschrift anschließen. Das Nichtige, das sich von Gott trennt, ist immer auch das Eitle, weil es sich übertrieben wichtig nimmt, sich aufbläht und gerade so sich als hohl und nichtig erweist. Die Verweigerung der Gnade führt nicht minder in das Nichts, weil man sich damit auch dem reinen Zorn und Gericht Gottes ausliefert. Ohne die Barmherzigkeit Gottes verliert sich jedoch der Mensch in seiner eigenen Hölle. Schließlich ist der Mensch auch nichtig, weil er in seinem Widerspruch sich selbst in seiner letzten Ausrichtung fremd wird. Dies hat etwas mit der Perversion des eigenen Wesens zu tun. „Das Böse ist deshalb das in sich Widersprüchliche, Perverse, Schizophrene, total Entfremdete, Absurde, in sich Desorganisierte, das Destruktive und Chaotische. Nach dem Neuen Testament besteht das Diabolische darin, Ja und Nein, Position und Negation durcheinander zu werfen. Das Ja nicht mehr ein Ja und das Nein nicht mehr ein Nein sein zu lassen, ist darum vom Teufel (vgl. Mt 5,37). Das Böse besteht in dem absurden und wahnwitzigen Versuch, die Negation zur Grundlage der eigenen Position zu machen... Im Tun des Bösen maßt sich das Geschöpf an, die Möglichkeit, die Gott durch die Wirklichkeit der Schöpfung ausgeschlossen hat, zu entbinden, die Ordnung des Kosmos wieder aufzulösen und das Chaos zu entfesseln. Dem Bösen gibt das Geschöpf den von Gott ausgeschlossenen Möglichkeiten eine Mächtigkeit. Das Böse ist die Macht des Nichtigen, des Chaotischen und Destruktiven in der Welt."[34]
Zweifellos liegt hier eine tiefere Aufgabe für das gegenwärtige und künftige Nachdenken über das Böse. Aus den angegebenen Gründen, vor allem auch der ungeheuren Zerstörungskraft und der Konkretion des Bösen, tun wir uns schwer mit einer intensiven ontologischen, ja metaphysischen Betrachtung der Wirklichkeit des Bösen. Es wird unterschätzt, wie wichtig das Privatio-Denken, das nur im Guten das Sein erblickt und im Bösen einen Mangel, einen Raub usw. erblickt, für die denkende Erfassung des Bösen ist und bleibt.[35]. Wir werden dadurch aber auch von einer umfassenderen Reflexion über den Ort des Bösen in der Wirklichkeit abgelenkt.[36] Gewiss gibt es eine verkehrte Spekulation, wie wir bereits am Anfang feststellten. Demgegenüber macht es gewiss Sinn, die verschiedenen Erfahrungen und Arten des Bösen nicht einzuebnen, sondern ihnen auch mit den entsprechenden Reaktionen zu antworten. Aber es wäre wohl falsch, deswegen in einem postmodernen Denkstil auf eine ontologische und metaphysische Betrachtung zu verzichten, wie es freilich weitgehend auch in der Theologie Gewohnheit geworden ist.[37] Diesen Verzicht auf eine Reflexion auf die Verortung des Bösen im Ganzen der Wirklichkeit führt sowohl im Bereich der Philosophie als auch der Theologie zu einer Vernachlässigung des Denkens über das Böse.[38] Eine nur punktuelle und partikulare Erörterung der vielen Spielarten des Bösen ohne eine solche ontologische Betrachtung scheint jedoch auch in die Irre führen.[39]
Ich glaube nicht, dass uns hier trotz des Gesagten unüberwindliche konfessionelle Differenzen hindern, zu gemeinsamen Überzeugungen zu kommen. Entscheidend ist die Bereitschaft zum Denken im Glauben. So kann ich weitgehend E. Jüngel zustimmen: „Böse ist folglich die Zersetzung solchen Zusammenseins (mit dem dreifaltigen Gott als Schöpfer und der Menschen untereinander) zugunsten von Beziehungslosigkeit: das Böse als relationswidrige Relation. Als das von Gott Verneinte hat das Böse kein Wesen (Basilius u.a.), sondern nur Unwesen (K. Barth), sind seine Grundgestalten sich selbst kaschierende Missgestalten, die nur in der Weise der - allerdings aggressiv zu denkenden - privatio ‚sind': selber anhypostaton tritt das Böse nur als Raub und Mangel auf: primär als Raub an der Gottheit Gottes (Luther). Urmissgestalt des Bösen ist die den eigenen ‚Mangel an Sein' als ‚Gewinn an Sein' (Genesis 3,5) ausgebende mörderische Lüge (Joh 8,44), die als verlogene Verheißung verführerische Gewalt über den Menschen gewinnt, durch dessen Ja sie indessen allererst ‚realisiert' wird: ‚Das Böse am Bösen ist die Sünde' (Ebeling), die zwar ‚durch das Sündigen in die Welt' kam (R. Bultmann), aber nunmehr zum Sündigen nötigt."[40] Jüngel nennt als unmittelbare Folgen: Unfreiheit, Unglauben, Lieblosigkeit und Hoffnungslosigkeit, und zwar dies im Sinne eines „tätigen Drangs" und geradezu eines mächtigen „Zwangs zum Drang".
Das Böse ist grundlegend an den Gegensatz zum Guten gebunden. Ohne Gutes lässt sich Böses nicht denken, umgekehrt bedarf das Gute des Bösen nicht ebenso notwendig, um gut zu sein. Bloße Verneinung des Guten, Abwesenheit des Guten, Mangel, zu geringer Grad der Teilhabe am Guten treffen trotz aller Richtigkeit die eigentümliche Schärfe des Widerspruchs (noch) nicht, der das Böse zum Bösen macht. Das Böse ist mehr als nur moralisches Übel. Zum Unterschied vom Übel oder Schlechten meint nämlich das Böse den gesetzten, gewollten Gegensatz, das bejahte Nein zum Guten. Das Böse ist der engere Begriff im Verhältnis zum Übel. Er ist aber auch grundsätzlicher, denn im Bösen kommt die Verneinung des Guten zu sich. Das Böse ist nicht zufällig oder faktisch böse, sondern es ist bewusst gewollt. Eine „Schwäche des Willens" erreicht noch nicht die Mitte des Bösen. Das Böse ist darum auch in sich selbst widersprüchlich. Es ist zunächst gesetzt, vollbracht, behauptet. Dies hat es gemeinsam mit der Wirklichkeit. Dennoch ist es negativ. Das vollbrachte Nein zum Guten enthüllt dazu noch einen weiteren Gegensatz. Der böse Wille bestreitet das als solches erkannte Gute und gibt zugleich das in dieser Bestreitung Gesetzte als Gutes aus. Er kann gar nicht anders: Was immer der Wille will, behauptet er damit bereits als gut. „Selbst wer böse sein wollte, nur um böse zu sein, findet es für gut, auszubrechen, anders, eben böse zu sein. Und wer sich vom Bösen nur ungern übermannen lässt, will doch endlich seine Ruhe haben, ist den Widerstand leid und hält die scheinbare Ruhe angesichts des Bösen und so mittelbar diesen selbst im Vollzug für besser, also für gut ... Der böse Wille verneint das Gute, streicht ein Gutes durch, zerstört, verzerrt oder verstellt einen guten Gehalt. Zugleich behauptet und setzt er etwas, also einen Gehalt, als gut. In der Tat will der böse Wille je auch ein Gutes, zumindest seine eigene Wollensmacht, die als solche ja gut ist. Noch die Selbstzerstörung setzt die Kraft mit der sie sich zerstören kann... als gut. Die Bosheit des Bösen ist so nicht ein Gehalt, sondern die Verunreinigung des Guten mit sich selbst... Alles ist, sofern es ist, gut, es ist gut aber auf das unbedingt Gute hin und nur von ihm her in sich gut."[41] Das Böse ist also kein selbstmächtiges Etwas, kein selbst Seiendes, sondern je nur im seienden, also grundsätzlich guten Willen. „Da es aus dem Innen des Willens, aus seinem Selberwollen kommt, ist es nicht eine überindividuelle Macht, sondern hat seinen Ort im einzelnen Willen selbst."[42] Dadurch erhält es eine sekundäre, wenn auch nur scheinbare, so doch wirksame „Selbstständigkeit". Dies macht auch das Luziferische, das Gleißnerische, das Maskenhafte des Bösen aus. Es ist ein Irrlicht, das einen guten Schein vortäuscht, in Wirklichkeit aber ins Verderben führt. Aber dies verursacht eine eigene Anhänglichkeit und manchmal geradezu auch Verliebtheit in das Morbide des Bösen. Nicht zufällig heißen Baudelaires Gedichte „Die Blumen des Bösen". Die Dämonie hat eine eigene Anziehungskraft und sie verstärkt gerade in diesem Schein die Anziehungskraft des Bösen. Hier wäre es reizvoll, die Aussagen zum Bösen bei Bandelaire und Nietzsche genauer zu betrachten.
In diesem Bereich liegt das eigentliche Geheimnis des Bösen. Das Sein des endlichen Geistes ist der Grund der Möglichkeit des Bösen. Er kann sich verfehlen. Dies ist nicht notwendig, aber es geschieht. Im Entschluss Gottes, sein Bild, sein „Wesen" im geschöpflichen Ebenbild sein zu lassen, liegt das „Risiko" einer Verzerrung dieses Ebenbildes. Dies ist die Größe und das Elend endlicher, menschlicher Freiheit.
Der Mensch hat immer, gerade auch in der Religion und im Glauben, nach einer weiteren Antwort gesucht. Der Mythos gibt viele Antworten auf diesen „Abfall" des Menschen von seinem eigenen Wesen.[43] Selbstverständlich liegt hier auch über den Mythos im Allgemeinen hinaus ein fundamentaler Bezug - wie schon angedeutet - zur christlichen Erbsündelehre und zur biblischen Erzählung von der Urverfehlung des Menschen.[44] Dies kann hier leider nicht mehr ausführlicher verfolgt werden. Hier müsste sich eine theologisch ausgerichtete Besinnung zur Bedeutung von „Sünde" anschließen.
Bewusst wurde bisher gesagt, dass es zunächst einmal um die abtrünnige Entscheidung, das Nein zur Souveränität Gottes von Seiten eines endlichen Geistes handelt, ohne schon zu entscheiden, ob dieser endliche Geist allein den leib-seelischen Menschen meint oder auch rein geistige Wesen. Dies hängt eng mit den Grundfragen zum Wesen des Teufels zusammen. Wenn es heute eine ganz erstaunliche Hochkonjunktur einer erneuten und vertieften Zuwendung zu den Engeln gibt, dann darf man es nicht von vornherein ablehnen, hier weiter zu denken, ob dieser Gegensatz zu Gott und damit zum Inbegriff des Guten nicht eben eine Grundentscheidung des kreatürlichen Geistes überhaupt ist.[45]
Wer das Geheimnis des Bösen klären will, muss sich fragen, wie er seine Deutung im Gesamtkontext dieser Grundmodelle ansetzen will und versteht. Es gibt zwar synthetische Formen, aber eine grundsätzliche Trennschärfe zwischen den einzelnen Antworten lässt sich nicht übersehen. Eine erste Klärung kommt jedenfalls an einer solchen Prüfung nicht vorbei. Differenzierungen sind dann immer noch möglich.
Zu den auch hier noch ungeklärten Themen gehört die Deutung bei Kant, und zwar im Blick auf das „radikal Böse", was hier nicht mehr besprochen werden kann.[46] Aber es ist notwendig, noch die Beziehung des Bösen, gerade wenn man es in der dargelegten Sicht versteht, zur Freiheit und auch zum Drama der Freiheit darzulegen. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass man vom Bösen nicht reden sollte, ohne das Beziehungsgeflecht zwischen dem Bösen und dem Vollzug der menschlichen Freiheit darzulegen. Dies „entmythologisiert" auch wieder bis zu einem gewissen Grad die Rede von dem Bösen. Denn die Freiheit ist ja das Vermögen des Guten und des Bösen. Deshalb kann gerade auch nach Kant die Frage nach dem Bösen nicht von der Problematik der Freiheit abgelöst werden. So wird auch verständlich, warum die Kategorie „Entscheidung" in diesem Zusammenhang theoretisch und praktisch von fundamentaler Bedeutung ist.[47]
V. Das Drama des menschlichen Ringens um die Freiheit und die Überwindung des Bösen
Die biblische Religion hat das Böse nicht erfunden, aber es hat in vielen Ansätzen die Auseinandersetzung mit seiner Existenz aufgenommen. Dabei gilt dies nicht nur für die Hl. Schrift und die Theologie, sondern es gilt auch für den praktischen Umgang mit dem Bösen bzw. dem Übel. Es besteht keine Frage, dass der Christ das Böse, das er vermeiden, ändern oder auch nur vermindern kann, es auch vermeiden, ändern, eindämmen und begrenzen muss. In diesem Sinne steht der Christ dem Bösen ganz und gar nicht nur passiv und duldend, sondern im aktiven Einsatz für das Gute gegenüber. Es ist aber auch eine Aussage des christlichen Glaubens, dass es Böses gibt, das wir mit bestem Willen nicht abschaffen können. Wenn wir versuchen wollten, alles Böse abzuschaffen, dann könnte dieser zum Scheitern verurteilte Versuch nur zu einem fanatischen Totalitarismus mit pseudo-messianischen Zügen führen. Nicht zuletzt deshalb ergeht die Mahnung der Bibel - bei aller grundlegender Ablehnung des Bösen -, nicht vor dem Ende zu richten, um nicht mit dem Unkraut auch den Weizen auszureißen (vgl. Mt 13,29). Der Christ muss „nüchtern und wachsam" sein und „Widerstand in der Kraft des Glaubens" leisten (1 Petr 5,8 f.). Er weiß, dass uns am Ende keine böse Macht trennen kann von der Liebe Gottes in Jesus Christus (vgl. Röm 8,39). Darum werden wir erst ganz bei der Vollendung der Welt und der Geschichte vom Bösen befreit werden. Um so wichtiger ist in dieser Zeit das Gebet „Erlöse uns von dem Bösen" (vgl. Mt 6,13).
Aber dies ist noch nicht alles. In seiner Passion und in seiner Auferstehung hat uns Jesus Christus bereits aus den verhängnisvollen Fängen des Bösen befreit. Die Überwindung des Bösen geschieht dabei doppelt und zugleich in einem. Es ist die Liebe des Sohnes, die in der Hingabe an den Vater den Zwiespalt des endlichen Willens überwindet, selbst zu bestimmen und sich doch bestimmen lassen zu sollen. Und es ist die Liebe Gottes, die den Sohn zur Versöhnung dahingibt. Dies ist das Gericht über das Böse. Dies ist nur möglich, indem der Sohn die Sünde und Schuld der Welt liebend auf sich nimmt. Am Kreuz, dem Inbegriff des Bösen, überwindet er in der Torheit der Liebe das Böse. Dies ist die Geburt des neuen Menschen und der Anfang der neuen Schöpfung. Daraus entsteht immer wieder neu der schon in dieser Zeit wirksame Kampf des Christen mit dem Bösen. Er bleibt in der stetigen Anfechtung, aber heilige Menschen - mit und ohne Heiligsprechung - bezeugen uns, dass dieser Kampf nicht aussichtslos ist. Aber endgültig eingelöst wird er für die Menschheit selbst erst im Gericht. Bis dahin gehört zum Menschen das Drama der Freiheit.[48]
Der Religion wird manchmal ein falscher Ehrgeiz unterstellt. So glaubt Max Weber, Religion würde es darum geben, weil sie das Theodizee-Problem lösen wollte.[49] Eher ist das Gegenteil der Fall. Religion und Glaube erhöhen und vertiefen bloß das Geheimnis des Bösen. Die große Philosophie und Theologie wusste, dass sich der letzte Ursprung des Bösen nicht mehr auflichten lässt; in seiner Negativität herrschen, wie z.B. Thomas von Aquin mit einem Augustinus-Zitat sagt, Dunkel und Schweigen.[50] Wir sprechen vom Geheimnis und von der Unbegreiflichkeit des Bösen, meinen aber dasselbe mysterium iniquitatis.
© Karl Kardinal Lehmann
Es gilt das gesprochene Wort
[1]
Vgl. dazu J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes, Heidelberg 1931, 2. Aufl. 1973, dazu im Einzelnen R. Schottlaender, M. Arndt, H. Schneider, K. Riesenhuber, A. Hügli, Artikel Malum, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie V, Basel 1980, 652-706 (Lit.). Zum weiteren Umkreis, freilich ohne großen Aufschluss für „das Böse" vgl. H. Weinrich (Hg.), Positionen der Negativität = Poetik und Hermeneutik VI, München 1975; G. von Graevenitz/O. Marquard (Hg.), Kontingenz = Poetik und Hermeneutik XVII, München 1998.[2]
Zu einer tieferen Analyse vgl. I. U. Dalferth, Das Böse, Essay über die Denkform des Unbegreiflichen, Tübingen 2006; ders., Leiden und Böses. Vom schwierigen Umgang mit Widersinnigem, Leipzig 2006; I. U, Dalferth, Ph. Stoellger (Hg.), Vernunft, Kontingenz und Gott, Tübingen 2000; I. U. Dalferth, Malum, Tübingen 2008 (Lit.).[3]
H. Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, Neuausgabe, München 1986 (mit einem Essay von H. Mommsen und einem erweiterten Vorwort); H. Arendt, Nach Auschwitz. Essays & Kommentare I = Critica Diabolis 21, Berlin 1989, 7 ff., 81 ff., 99 ff.; dies., Denken ohne Geländer, Texte und Briefe, München 2005, 125 ff., 165 ff.; Th. Wild, Hannah Arendt = Suhrkamp BasisBiographie 17, Frankfurt 2006; K. Sontheimer, Hannah Arendt. Der Weg einer großen Denkerin, München 2005, 181 ff., 208 ff.[4]
Denken ohne Geländer, 165.[5]
Vgl. z.B. Th. W. Adorno, Negative Dialektik = Gesammelte Schriften, Band 6, Frankfurt 1973, 354 ff., 362 ff., 359 f.; ders., Minima Moralia = Gesammelte Schriften, Band 4, Frankfurt 1980, 281, vgl. auch 22, 169, 316; die „Vorlesung" über Negative Dialektik, Fragmente zur Vorlesung 1965/66, hrsg. v. R. Tiedemann, erschien als Band 16 der Nachgelassenen Schriften, Frankfurt 2003, vgl. 25 ff., 40 ff., 159 ff.; M. Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt 1967, 260; ders., Notizen 1950-1969 und Dämmerung, Frankfurt 1976, 25, 91 u.ö.; Th. W. Adorno, Kierkegaard, Frankfurt 1962, 286 ff.; ders., Ästhetische Theorie, Frankfurt 1973, 143 f., 382.[6]
Vgl. z.B. W. Oelmüller, Das Böse, in: H. Krings u.a. (Hg.), Handbuch philosophischer Grundbegriffe, Band 1, München 1973, 255-268.[7]
Vgl. P. Ricoeur, Die Fehlbarkeit des Menschen. Phänomenologie der Schuld I; Symbolik des Bösen, Phänomenologie der Schuld II, Freiburg 1971.[8]
Das Böse, 118 ff., 138 ff., 148 ff.[9]
A. Pieper, Gut und Böse, 3. Auflage, München 2008, 18 ff., 58 ff., 102 ff.; vgl. auch F. Ricken, Allgemeine Ethik, 4. Aufl., Stuttgart 2003, 75 ff.[10]
Dies scheint mir bei allem Respekt auch eine Grenze der Vorlesungen zu Fragen der Ethik von H. Arendt, „Über das Böse", zu sein, aus dem Nachlass, hrsg. von J. Cohn, München 2003 (Nachwort von F. Augstein).[11]
Dazu Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 5, 682 ff., (Lit.); Theodizee (1710), 20 f., vgl. 156 und 2088; A. Heinekamp, Das Problem des Guten bei Leibniz, Bonn 1969; K. Huber, Leibniz, München 1989, 248 ff.; E. J. Aiton, Gottfried-Wilhelm Leibniz, Frankfurt 1991, 429-436.[12]
Auch W. Pannenberg, Systematische Theologie II, Göttingen 1991, 197 f., nimmt diese ersten Unterscheidungskriterien auf.[13]
Die Pest, in: A. Camus, Das Frühwerk, Reinbek bei Hamburg 1967, 305.[14]
Der Mythos von Sisyphos, in: Das Frühwerk, 449.[15]
Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee, in: Werke, ed. W. Weischedel, Bd. 6, Frankfurt 1964, 104-124, vgl. bes. 109.[16]
Vgl. zur Sache T. Koch, Das Böse als theologisches Problem, in: Kerygma und Dogma 24 (1978), S. 285-320; L. Wenzler, Die Freiheit und das Böse nach Vladimir Solov'ev = Symposium 59, Freiburg/München 1978; A. Görres/K. Rahner, Das Böse, Freiburg 1982; F.M. Wuketits, Warum uns das Böse fasziniert, Stuttgart 1999; R. Safranski, Das Böse oder Das Drama der Freiheit, München 1997; Das Böse, hrsg. von G. Zacharias, München 1972; Das Böse. Eine historische Phänomenologie des Unerklärlichen, hrsg. von C. Colpe und W. Schmidt-Biggemann, Frankfurt 1993; W. Simonis, Woher kommt das Böse?... wenn Gott gut ist, Graz 1999; L. Oeing-Hanhoff/W. Kasper, Negativität und Böses, in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, hrsg. von F. Böckle u.a., Teilband 9, Freiburg 1981, 147-201 (Lit.). Vgl. auch noch Th. W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt 1966, 352ff.; P. Ricoeur, Die Fehlbarkeit des Menschen. Phänomenologie der Schuld I., Freiburg 1971 (Paris 1960); Symbolik des Bösen. Phänomenologie der Schuld II, Freiburg 1971 (Paris 1960); ders., Hermeneutik und Psychoanalyse, München 1974, 140ff., 217ff., 239ff., 266ff., 284ff.; Lectures 3, Paris 1994, 19ff., 211ff., 263ff.; La mémoire, l´histoire, l´oubli, Paris 2000; dazu J. Greisch, Paul Ricoeur, Grenoble 2001; L. Oeing-Hanhoff, Metaphysik und Freiheit, München 1988, 45ff., 262ff.; H. Häring, Die Macht des Bösen, Gütersloh 1979; C.-F. Geyer, Leid und Böses in philosophischen Deutungen, Freiburg 1983; H. Halter (Hg.), Wie böse ist das Böse?, Zürich 1988; F. Hermanni/P. Koslowski (Hg.), Die Wirklichkeit des Bösen, München 1998 (zur Privationstheorie); zur Erneuerung der Lehre von der Sünde vgl. Chr. Gestrich, Die Wiederkehr des Glanzes in der Welt, Tübingen 1989, 160ff., 257ff.; ders., Peccatum - Studien zur Sündenlehre, Tübingen 2003, vgl. in Anm. 2 die Arbeiten von I. U. Dalferth; W. Pannenberg, Systematische Theologie II, 189 ff.; G. Schulze, Die Sünde. Das schöne Leben und seine Feinde, München 2006; G. R. Evans, Wie kommt das Böse in die Welt?, Stuttgart 2008; F. M. Wuketits, Warum uns das Böse fasziniert. Die Natur des Bösen und die Illusionen der Moral, Suttgart 1999; M. Battke, Das Böse bei Sigmund Freud und C. G. Jung, Düsseldorf 1978; H. Kuhn, Das Sein und das Gute, München 1962, 58 ff., 77 ff., 86 ff., 91 ff., 147 ff.; H. Schmidinger, Metaphysik, 2. Aufl., Stuttgart 2006, 339 ff. Vgl. auch L. Honnefelder/G. Krieger (Hg.), Philosophische Propedeutik, Bd. 3: Metaphysik und Ontologie, Paderborn 2001 (= UTB 2081), 289 ff., 331 ff. (M.-Th. Lieske).[17]
Damit sind andere Kategorisierungen nicht ausgeschlossen, wie sie etwas J. U. Dalfurth verschiedentlich vorgetragen hat. Mir geht es um eine erste fundamentalontologische Annäherung.[18]
Dies trifft auch auf das Buch von H. Haag, Vor dem Bösen ratlos?, München 1978, 240, zu, wenn dieser erklärt, „dass das Böse im Wesen des Menschen begründet" sei.[19]
Vgl. Die Kirchliche Dogmatik 11/2, Zürich (11942), 185 f. Vgl. zu Barth und Schelling K. Lüthi, Gott und das Böse, Zürich 1961.[20]
Auch bei H. Haag klingen Töne an, die in diese Richtung weisen, wenn von dem Bösen als einem Element der Schöpfung nach Gottes Plan die Rede ist, vgl. Vor dem Bösen ratlos?, 238, auch 88f., 240f.[21]
Vor dem Bösen ratlos?, 249. (Verweis auf: Mein Weltbild. Olten 1975, 60f.)[22]
Ebd. (Mein Weltbild, 85, Anm. 49). Natürlich ist dies keine Aussage zum Gesamtwerk von Teilhard de Chardin.[23]
Vgl. dazu F. M. Wuketits, Warum uns das Böse fasziniert, 56 ff., 70 ff., 110 ff., 200 ff.; S. B. Carroll, Evo Devo. Das neue Bild der Evolution, Berlin 2008; D. Hattrup, Darwins Zufall oder wie Gott die Welt erschuf, Freiburg i. Br. 2008; F. de Waal, Primaten und Philosophen, München 2008; Th. Junker, Die Evolution des Menschen, München 2006. Hier wären auch die verschiedenen Chaos-Theorien zu untersuchen.[24]
Vgl. dazu ausführlich J. Chr. Janowski, Allerlösung. Annäherungen an eine entdualisierte Eschatologoie, zwei Bände = Neukirchener Beiträge zur Systematischen Theologie 23/1-2, Neukirchen 2000.[25]
Vgl. ausführlich G. Scholem, Von der mystischen Gestalt der Gottheit. Frankfurt 1973, 49-82.[26]
Dazu X. Tilliette, Die Freiheitsschrift, in: H. M. Baumgartner (Hrsg.), Schelling. Freiburg/München 1975, 95-108, 191 (Lit.); M. Heidegger, Schellings Abhandlung Über das Wesen der menschlichen Freiheit, Tübingen 1971.[27]
Thomas von Aquin, Summa contra gentiles III, 71.[28]
Zu den Grundlagen in der Schöpfungslehre vgl. K. Lehmann, Glauben bezeugen, Gesellschaft gestalten, Freiburg i. Br. 2000, 137-158.[29]
Von hier aus führt ein Weg zur Ursünde (Erbsünde), vgl. nur S. Wiedenhofer (Hg.), Erbsünde - was ist das?, Regensburg 1999, darin vor allem E. Zenger, 9-33 (Lit.); wichtig dazu auch: Chr. Gestrich, Peccatum - Studien zur Sündenlehre, 221 ff., vgl. auch 60 ff. und viele Ausführungen (vgl. Reg.: 243); N. Lohfink, in: H. Häfner u.a., Realität und Wirksamkeit des Bösen, Würzburg 1963, 60-89; G. Schulte, Die grausame Wahrheit der Bibel, Frankfurt 1995, 49 ff., 62 ff.[30]
Die Rolle und der Tiefgang von Augustins Denken scheint mir hier immer noch unterbewertet zu werden. Vgl. dazu R. Berlinger, Augustins dialogische Metaphysik, Frankfurt 1962, 126 ff., 135 ff.; V. H. Drecoll (Hg.), Augustin-Handbuch, Tübingen 2007, 58, 79 f., 181 ff. (vgl. Reg.: 793), dazu auch 78, 149, 156, 158, 270 (unde malum); zum biografischen Hintergrund vgl. G. Vigini, Sant' Agostino, Milano 2006. Von großer Wichtigkeit ist hier der Einfluss, aber auch die Auseinandersetzung des Mittelplatonismus und des Neuplatonismus auf Augustinus, dazu die Forschungen von W. Beierwaltes, Denken des Einen. Studien zur Neuplatonischen Philosophie und ihrer Wirkungsgeschichte, Frankfurt 1985, 182 ff., 241 ff.; Ders., Identität und Differenz = Philosophische Abhandlungen 49, Frankfurt 1980, 34 f., 40 f., 182, 263, 266, 280.[31]
Vgl. z.B. Quaestiones disputatae de malo 1,1, 120. Dazu W. Kluxen, Philosophische Ethik bei Thomas von Aquin. Mainz 1964, 177f., 212.[32]
Vgl. außer der schon angeführten Literatur besonders die klassische Darstellung von F. van Steenberghen, Ontologie = Philsophie Lovassieusis IV. Einsiedeln 1953, 128, 335, 348, 375 ff.[33]
Belege dazu bei P. Althaus, Die Theologie Martin Luthers, Gütersloh 1962, 131 f.; vgl. jedoch vor allem G. Ebeling, Lutherstudien II. Disputatio De Homine, 3. Teil, Tübingen 1989, 114 ff.; ders., Der Mensch als Sünder. Die Erbsünde in Luthers Menschenbild, in: Lutherstudien III, Tübingen 1985, 74-107. Vgl. auch K. Barth, Kirchliche Dogmatik IV/1, Zürich 1953, 458-531, bes. 459 ff.; vgl. auch O. H. Pesch, Frei sein aus Gnade. Theologische Anthropologie, Mainz 1983, 166 ff. - Zur Diskussion vgl. auch das Kapitel „Schöpfungsglaube und Theodizee", in: W. Pannenberg, Systematische Theologie II, 188-201.[34]
W. Kasper, Negativität und Böses, 195. Vgl. auch ders., Das theologische Problem des Bösen, in: W. Kasper/K. Lehmann (Hg.), Teufel - Dämonen - Besessenheit, 41-69; ders., Die Lehre der Kirche vom Bösen, in: Die Macht des Bösen und der Glaube der Kirche, hrsg., von R. Schnackenburg, 68-84. Zum Nichtigen vgl. schon früh P. Ricoeur, Die Fehlbarkeit des Menschen, 14f.[35]
Vgl. dazu die wichtigen Studien in F. Hermanni/P. Koslowski (Hg.), Die Wirklichkeit des Bösen. Systematisch-theologische und philosophische Annäherungen, München 1998; W. Beierwaltes, Denken des Einen, 182 ff., 241 ff.[36]
Zu einer Gesamtbetrachtung vgl. C. H. Keller u.a., Art. das Böse, in Religion in Geschichte und Gegenwart I, Tübingen 1998, 1703-1711, vgl. auch ebd. G. Bader, Boshaftigkeit, 1711.[37]
Vgl. dazu grundlegend W. Kasper, Zustimmung zum Denken. Von der Unerlässlichkeit der Metaphysik für die Sache der Theologie, in: ders., Theologie und Kirche II, Mainz 1999, 11-27, vgl. auch zum Wahrheitsverständnis der Theologie ebd., 28-50. Dieses Verhältnis von Ontologie bzw. Metaphysik und Theologie ist unter den ökumenischen Gesprächsthemen noch wenig angepackt oder gar befriedigend behandelt worden. Zur Sache vgl. auch W. Pannenberg, Theologie und Philosophie. Ihr Verhältnis im Lichte ihrer gemeinsamen Geschichte, Göttingen 1996 (auch unter demselben Titel UTB 1925, Göttingen 1996).[38]
Eine rümliche Ausnahme bildet I. U. Dalferth, Malum.[39]
In einem größeren Zusammenhang müsste man hier auf die ethischen Entwürfe vor allem von Hans Jonas, Emanuel Lévinas und Paul Ricoeur zurückkommen, was freilich im Rahmen dieses Beitrags nicht möglich ist.[40]
E. Jüngel, das Böse V, in: RGG I, 4. Aufl., Tübingen 1998, 1708.[41]
K. Hemmerle, Das Böse, in: Sacramentum mundi, I., Freiburg 1967, 617-624, Zitat: 620f.; dazu vgl. bes. auch G. Siewerth, Die Freiheit und das Gute, Freiburg 1959, 86f.; ders., Thomas von Aquin, Die menschliche Willensfreiheit, Düsseldorf 1954; B. Welte, Über das Böse, Freiburg 1969. Vgl. auch W. Oelemüller u.a., Diskurs Metaphysik, Paderborn 1983, 138 ff., 158 ff., 269 ff., 308 ff.[42]
K. Hemmerle, a.a.O., 622.[43]
Vgl. schon die oben genannte "Symbolik des Bösen", von Paul Ricoeur, aber auch die Akten des Symposions: Le mythe de la peine, hrsg., von E. Castelli, Paris 1967; Mythos zwischen Philosophie und Theologie, hrsg. von E. Rudolph, Darmstadt 1994; K. Hübner, Die Wahrheit des Mythos, München 1985; H. Blumenberg, Arbeit am Mythos, Frankfurt 1986; L. Kolakowski, Die Gegenwärtigkeit des Mythos, München 1973 und die oben Anm. 4 genannte Literatur.[44]
Außer der schon genannten Literatur vgl. dazu bes. G. Siewerth, Die christliche Erbsündelehre, Einsiedeln 1964; vgl. P. Ricoeur, Fehlbarkeit des Menschen, 51f.; ders., Le mal, 18-38; ders., An den Grenzen der Hermeneutik, Freiburg i.Br. 2008; W. Oelemüller u.a., Diskurs Metaphysik, 308 ff.; Chr. Schönborn, A. Görres, R. Spaemann, Zur kirchlichen Erbsündenlehre, Freiburg 1991.[45]
Vgl. dazu meine ausführlichen Überlegungen "Der Teufel - ein personales Wesen?", in: Teufel - Dämonen - Besessenheit. Zur Wirklichkeit des Bösen, hrsg., von W. Kasper/K. Lehmann, Mainz 1978, 71-98; vgl. auch ders., Vom Geheimnis des Bösen. Vorfragen zur theologischen Diskussion um die Gestalt des Teufels, in: Communio 8 (1979), 193-201; Die Macht des Bösen und der Glaube der Kirche, hrsg., von R. Schnackenburg, Düsseldorf 1979; H. U. von Balthasar, Theodramatik II./2, Einsiedeln 1978, 431-455. Vgl. auch K.P. Fischer/H. Schiedermair (Hg.), Die Sache mit dem Teufel, Frankfurt 1980; B.J. Claret, Geheimnis des Bösen. Zur Diskussion um den Teufel, Innsbruck 1997; L. Link, Der Teufel. Eine Maske ohne Gesicht, München 1997.[46]
Dazu H. Hoping, Freiheit im Widerspruch = Innsbrucker theologische Studien 30, Innsbruck 1990; H. Meyer, Kants transzendentale Freiheitslehre = Praktische Philosophie 51, Freiburg i.Br. 1996, 157-177; G. Irrlitz (Hg.), Kant-Handbuch, Stuttgart 2002.[47]
Vgl. dazu C. von Bormann, Entscheidung, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie II, Basel 1972, 542-544; H. Lübbe, Zur Theorie der Entscheidung, in: Collegium Philosophicum. Studien J. Ritter zum 60. Geburtstag, Basel 1965, 118-140; H. Rombach, Entscheidung, in: Handbuch philosophischer Grundbegriffe I, 361-373; J. B. Metz, Entscheidung, in: Handbuch theologischer Grundbegriffe, hrsg. von H. Fries, Bd. I, München 1962, 281-288. In der Fortsetzung dieser Gedanken wäre M. Blondel heranzuziehen.[48]
Dazu H. Spaemann, Macht und Überwindung des Bösen, München 1979; vgl. ausführlicher A. Görres/K. Rahner, Das Böse; M. Battke, Das Böse bei Sigmund Freud und C. G Jung; M. Renz, Erlösung aus Prägung. Botschaft und Leben Jesu als Überwindung der menschlichen Angst, Begehrens- und Machtstruktur, Paderborn 2008.[49]
Vgl. Religionssoziologie I, Tübingen 1972, 567ff.; Politik als Beruf, Wissenschaft als Beruf, Tübingen 1994; vgl. bes. H.G. Kippenberg/M. Riesebrodt (Hg.), Max Webers "Religionssystematik", Tübingen 2001, 219, 223, 280 f., 319-325; M. Sukale, Max Weber, Tübingen 2002, 50 ff., 507 ff., 542 ff., 550 ff.[50]
Dazu genauer W. Kluxen, Philosophische Ethik bei Thomas von Aquin, 215.