Ämter und Einrichtungen
Um die vielfältigen liturgischen und administrativen Aufgaben an der Kathedrale bewältigen zu können, sind dem Domkapitel besondere Ämter und Einrichtungen zugeordnet.
- Domdekan
- Domkustos
- Dompfarrer
- Bischöflicher Zeremoniar
- Bußkanoniker
- Domschweizer
- Dombauamt und Dombauhütte
- Domrenovierung und Dombaukomission
Weitere Ämter und Einrichtungen:
Domdekan
Der Domdekan ist Vorsitzender des Domkapitels. Er beruft die Mitglieder zu den Sitzungen ein, stellt die Tagesordnung auf und leitet die Beratungen. Der Domdekan hat vor allem Repräsentationsaufgaben und vertritt das Domkapitel gerichtlich und außergerichtlich. Der Domdekan ist der Hausherr der Mainzer Kathedrale.
In der Regel leitet er die Gottesdienste zur Eröffnung des Stiftsjahres (Anfang Oktober), am Festtag des heiligen Stephanus, dem zweiten Patron der Kathedrale (26. Dezember), an Palmsonntag (Sonntag vor Ostern), am Tag der äußeren Feier der Domkirchweihe (4. Juli) und die Fronleichnamsvesper. Sein Stellvertreter ist der jeweils dienstälteste Domkapitular.
Domdekan ist seit 2003 Domkapitular Heinz Heckwolf.
Domkustos
Der Domkustos sorgt für die laufende bauliche Unterhaltung und den Schmuck der Kathedrale. Alle Angelegenheiten des Gottesdienstes gehören zu seinen Aufgaben. So untersteht ihm auch die Aufsicht über die Domsakristei .
Außerdem ist der Domkustos verantwortlich für die sichere Verwahrung des Mainzer Domschatzes . Die wertvollen Kunstwerke und liturgischen Geräte sind teilweise im Dom- und Diözesanmuseum ausgestellt.
Domkustos ist der Domdekan . Sein Stellvertreter ist der Dompfarrer als Subkustos.
Dompfarrer
Der Dom St. Martin ist nicht alleine Bischofskirche, sondern zugleich Pfarrkirche für rund 800 Katholiken in der Mainzer Altstadt. Diese Pfarrei leitet der Dompfarrer.
Er wird vom Bischof nach Anhörung des Domkapitels frei ernannt und ist für die Zeit dieser Tätigkeit im Range eines Dompräbendaten Mitglied des Domstifts, sofern er nicht ohnehin Domkapitular ist. Die Dompfarrei wird durch das Dompfarramt verwaltet.
Dompfarrer ist seit Mai 2003 Dompräbendat Dr. Franz-Rudolf Weinert.
Bischöflicher Zeremoniar
Der Bischöfliche Zeremoniar ist der Protokollchef für die Pontifikalämter im Dom mit dem Mainzer Bischof an hohen kirchlichen Festtagen. Er wacht dabei über den reibungslosen Ablauf der gesamten Feierlichkeiten, den Altardienst und die Einhaltung der Chorordnung im Dom.
Bischöflicher Zeremoniar ist derzeit Pastoralreferent Johannes Brantzen.
Bußkanoniker
Ein Mitglied des Domkapitels wird vom Diözesanbischof zum Bußkanoniker bestellt. Er ist zunächst Beichtvater, der im Dom eine feste Beichtzeit anbietet.
Von anderen Beichtvätern unterscheidet ihn, dass er die besondere Vollmacht hat, von bestimmten Kirchenstrafen selbst direkt loszusprechen. Zum Beispiel dann, wenn jemand die Messe gefeiert hat oder Beichte gehört hat, ohne Priester zu sein. Unter der Verschwiegenheit der Beichte kann er auch bei zuständigen Stellen der Kirche für den Nachlass bestimmter, schwerer Kirchenstrafen Sorge tragen, z.B. nach Verunehrung (Profanierung) der Hl. Eucharistie oder bei Beichtsiegelbruch.
Bußkanoniker ist derzeit Domkapitular Dr. Peter Hilger.
Feste Beichtzeiten im Dom (Beichtstuhl / Petruskapelle beim Nordost-Portal): freitags 15.30 - 17.00 Uhr.
Domschweizer
Für Ruhe und Ordnung im Dom sorgten traditionell die Domschweizer. Heute haben sie weitgehend repräsentative Aufgaben . Die Domschweizer begleiten die Bischöfe und das Domkapitel zu Beginn und Schluss von Gottesdiensten.
1802 verordnete Bischof Joseph Ludwig Colmar das Amt des sog. "Dompolizisten". Die Kleidung erinnert an französische Uniformen und hat sich in zwei Jahrhunderten kaum verändert: die Domschweizer tragen einen schwarzen Zweispitz, der bei besonderen Festlichkeiten mit Straußenfedern geschmückt wird, einen dunklen Frack (im Winter einen Mantel) und eine rote Schärpe mit einer Plakette darüber. Diese zeigt das Mainzer Rad mit Mitra und Bischofsstab. Früher stand auf dem ovalen Schild "Police d’oculte" (Kultpolizei). Zur Domschweizer-Ausrüstung gehören weiterhin eine Hellebarde als Paradewaffe, die bei Gottesdiensten vor dem Altar abgestellt wird, und ein Stock mit Silberknauf.
Wahrscheinlich gab es bereits im Mittelalter sogenannte Domstäbler, die mit einem Stab in der Hand über Sitte und Anstand im Gotteshaus wachten. Die Bezeichnung Domschweizer ist wohl der päpstlichen Leibgarde im Vatikan entlehnt.
Während die Mainzer Domschweizer früher hauptamtlich angestellt war, sind sie heute ehrenamtlich tätig.
Dombauamt und Dombauhütte
Dem Dombauamt und der angeschlossenen Dombauhütte obliegt die Instandhaltung und Pflege des über tausend Jahre alten Mainzer Doms. Die gesamte Dombauverwaltung wird im Auftrag des Mainzer Domkapitels tätig und untersteht unmittelbar der Bischöflichen Dotation. Die 16 Mitarbeiter betreuen nicht nur die Bischofskirche, sondern auch die zum Domvermögen gehörenden Liegenschaften. Hierzu zählen verschiedene Wohn- und Geschäftshäuser in der Umgebung des Doms.
Aufgaben
Schwerpunkt der Arbeit von Dombauamt und Dombauhütte ist die Bauerhaltung der Domkirche durch konservatorische und restauratorische Maßnahmen.
Das Dombauamt ist zuständig für die Feststellung von Schäden und Planung der erforderlichen Maßnahmen . Seit 1988 wurden an dem Bauwerk umfangreiche Vermessungsarbeiten mit einer Spezialkamera durchgeführt. Das Dombauamt besitzt seither exakte Grundrisse, Querschnitte und Fassadenaufrisse der Bischofskirche.
Zur praktischen Durchführung der notwendigen Baumaßnahmen werden teilweise Handwerksfirmen beauftragt. Die wichtigsten Arbeiten an der „ewigen Baustelle" führen jedoch die angestellten Steinmetzen, Schreiner und Maler der Dombauhütte durch. Die erfahrenen und ortskundigen Fachleute beobachten die Kathedrale ständig und können daher unmittelbar auf Probleme reagieren.
Den Steinmetzen und Bildhauern obliegt es, nach gründlicher Untersuchung der vorhandenen Steine und Skulpturen, beschädigte Teile aufzumessen und originalgetreue Kopien zu erstellen. Dabei wird darauf geachtet, das gleiche Material wie das des Originals zu verwenden und die historische Oberflächengestaltung nachzuempfinden. Die Steinmetzen arbeiten dabei oft nach traditionellen Handwerkstechniken , wie sie zu der jeweiligen Entstehungszeit üblich waren.
Auch beim Einbau der Steine wenden die Handwerker teilweise alte Arbeitsweisen an. Auf den Einsatz moderner Maschinen wird weitgehend verzichtet. Seit 1984 bildet die Dombauhütte im Steinmetzhandwerk auch aus.
Traditionelle Arbeitsweisen pflegen auch die Schreiner der Dombauhütte. Neben der Tätigkeit für die Liegenschaften des Doms gehört die Betreuung und Pflege des Chorgestühls aus dem Rokoko und die Sakristeieinrichtung zu ihrem Aufgabengebiet. Hierbei sind ästhetische Gesichtspunkte mit liturgischen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen.
Fundierte Sachkenntnis ist auch bei den Malern der Bauhütte gefragt. Sie müssen insbesondere auf die Zusammensetzung historischer Farben und deren Verarbeit berücksichtigen.
Geschichte
Wahrscheinlich entstand bereits bald nach der Errichtung des Mainzer Doms eine eigene Bauhütte. Steinmetzzeichen am Dom lassen ein frühes Vorhandensein einer Bauhütte vermuten, da diese Symbole ein wesentliches Merkmal des Hüttenwesens waren. So finden sich Zeichen ab dem Jahr 1183.
Alle bestehenden Bauhütten unterstanden Haupthütten und deren Gerichtsbarkeit. Straßburg war die wichtigste der Haupthütten, der auch Mainz unterstand. Die Straßburger Hüttenordnung von 1563 erwähnt Mainz namentlich.
Die Anfänge der heutigen Dombauhütte liegen etwa im Jahr 1950 . Nachdem bis dahin Mainzer Handwerkerbetriebe für die Wiederherstellungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg herangezogen wurden, berichtet der damalige Dombaumeister Heinrich Schneider in diesem Jahr über ausgeführte Arbeiten von ersten domeigenen Handwerkern. Es handelte sich hierbei um Schreiner, Maler und Steinmetzen.
Gerade für die umfangreichen Renovierungsarbeiten in den siebziger Jahren im Vorfeld der 1000-Jahr-Feier des Doms (1975) wurden neue Mitarbeiter eingestellt. 1963 gründete Dombaumeister Jakob Stockinger schließlich die Dombauhütte. Von 1975 bis 1995 arbeiteten immer rund zwanzig Handwerker in der Bauhütte. Heute teilen sich zwölf Personen und zwei Auszubildende die Arbeiten.
Domrenovierung und Dombaukommission
Im Herbst 2000 haben umfassende Sanierungsmaßnahmen zur langfristigen denkmalpflegerischen Substanzerhaltung des Mainzer Doms begonnen. Für das gesamte Vorhaben wurde eine eigene Dombaukommission gegründet.
Zu Dombaukommission gehören die drei Mitglieder der Bischöflichen Dotation, der Finanzdezernent des Bistums Mainz, der Leiter des Dombauamts und der Dombauhütte sowie der Baudezernent des Bistums und der Diözesankonservator für die kirchliche Denkmalpflege.
Den Vorsitz hat Domdekan Heckwolf. Das denkmalpflegerische Gesamtkonzept obliegt Diözesankonservator Dr. Hans-Jürgen Kotzur. Die Bauleitung den ersten Bauabschnitt der Außenrenovierung wurde dem Architekturbüro BHS & Partner in Darmstadt übertragen.
Alle Beschlüsse fasst das Domkapitel im Einvernehmen mit dem Bischof. Der 1999 gegründete Dombauverein Mainz unterstützt einzelne Renovierungsprojekte gezielt mit Spendengeldern.

© Öffentlichkeitsarbeit Bistum Mainz

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